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Geisteskranke & Todesstrafe

Am 20. Juni 2002 urteilte der Oberste US Gerichtshof, dass die Hinrichtung von geistig behinderten Personen die Verfassung verletzt !

Geistig behinderte Verurteilte müssen während ihrer Berufungen vor Gericht ihre Behinderung beweisen. Darin liegt die Schwierigkeit, so dass auch heute die Hinrichtung von geistig behinderten oder geisteskranken Menschen nicht völlig ausgeschlossen ist.

Nach US amerikanischem Recht dürfen Personen, die zur Tatzeit unter einer Geisteskrankheit oder unter seelischen Störungen litten und damit schuldunfähig waren, strafrechtlich nicht zu Verantwortung gezogen werden.

1989 entschied der Oberste US Gerichtshof im Fall Penry gegen Lynaugh mit 5 zu 4 Stimmen, dass die Hinrichtung von geistig zurückgebliebenen Personen nicht den 8. Verfassungszusatz verletzen würde. Geistesschwäche sollte jedoch von den Geschworenen in der Strafzumessung berücksichtigt werden. Zu der Zeit verboten nur 2 Staaten die Hinrichtung geistig Zurückgebliebener: Maryland und Georgia.

Am 20. Juni 2002 urteilte der Oberste US Gerichtshof im Fall Atkins gegen Virginia, dass die Hinrichtung von geistig behinderten Mördern den 8. Zusatz der Verfassung verletze, der grausame und ungewöhnliche Bestrafung verbietet.

Vor der Entscheidung im Atkins Fall verboten 18 US Staaten + Bundesrecht die Hinrichtung von geistig Behinderten und Geisteskranken per Gesetz:
Arizona, Arkansas, Colorado, Connecticut, Florida, Georgia, Indiana, Kansas, Kentucky, Maryland, Missouri, Nebraska, New Mexico, New York (außer bei Mord durch einen Häftling), North Carolina, South Dakota, Tennessee, Washington und auf US Bundesebene.

Seit Wiedereinführung der Todesstrafe im Jahre 1976 wurden 35 geistig behinderte Menschen hingerichtet.

Zwei Beispielfälle

Larry Robison, hingerichtet am 21. Januar 2000

Larry war seit langem geisteskrank. Er litt an paranoider Schizophrenie. Mehrere psychiatrische Kliniken schickten ihn nach Hause, weil es an Betten mangelte und er angeblich "nicht gewalttätig war". Dann tötete er fünf Menschen. Hätte man ihm damals die medizinische Hilfe nicht verweigert, könnten diese fünf Menschen noch leben. Durch das Versagen der medizinischen Einrichtungen wurde Larry zum Mörder. Daraufhin nahm ihm der Staat Texas das Leben.
Zurück blieb eine verzweifelte Familie.
Das Foto von Larrys Mutter aufgenommen am Tag seiner Hinrichtung sagt mehr als Worte ausdrücken können - die Todesstrafe verlängert nur die Kette der Opfer.
 
 

Johnny Paul Penry, Urteil in lebenslange Haft umgewandelt

Johnny Paul ist geistig zurück geblieben und etwa auf dem Stand eines sechs- bis siebenjährigen Kindes.

Er wurde mehrfach vor Gericht gestellt und die Urteile dann in der Berufung wieder aufgehoben. Nachdem der Oberste US Gerichtshof die Aufhebung der Verurteilung bestätigt hat, wurde Johnny Paul auch im dritten Prozess wieder für schuldig befunden.
2008 akzeptierte er einen Handel mit der Staatsanwaltschaft und sitzt nun eine lebenslange Haftstrafe ab.
 

 

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